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23.07.2024
Betend schreiben

In Zeiten, wo das Smartphone uns täglich überallhin begleitet, ist das Schreiben mit der Hand aus der Mode gekommen. Und es ist ja auch faszinierend zu sehen, wie die durch Programme mit künstlicher Intelligenz meine gesprochenen Worte in einen geschriebenen Text umgewandelt werden. Dennoch bleibe ich ein überzeugter Anhänger des handgeschriebenen Wortes auf einem Blatt Papier und unterstütze den Erhalt der Handschrift. Auch wenn ich nie kalligraphisch schöngeschrieben habe, und ich manchmal meine eigenen Notizen nicht mehr entziffern kann: Ich schreibe immer wieder! Vor allem hilft mir das Schreiben, wenn ich seelisch aufgewühlt bin und es mir nicht gut geht, wenn ich in einer heftigen Diskussion von einer Kollegin persönlich angegriffen bin und das Gefühl habe, dass ich nicht ausdrücken konnte, was mir wichtig war. Das Aufschreiben meiner Gefühle und der Sätze, die ich gesagt und gehört habe, hilft mir zur Ruhe zu kommen und abzuschließen. Sonst verfolgen mich einzelne Worte bis tief in den Schlaf. Das Aufschreiben braucht Zeit, und diese Zeit braucht meine Seele, um wieder an etwas anderes denken zu können. Und manchmal schreibe ich auch Gebete auf. Die sind dann nicht so tief wie die Gebete der Psalmen in der Bibel – aber ich weiß ja, dass Gott auch meine ins Unreine geschriebenen Sätze liest und mich versteht.

Johann Schneider evangelischer Regionalbischof aus Halle


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