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02.02.2025
Zeit für eine eigene Meinung

Ich erinnere mich noch: Ich hatte schweißnasse Hände, der Mund war mir trocken und der Puls hoch. Ich bin ja gerne eine Moderate, aber manchmal muss es halt sein, da muss man den Mund aufmachen. Und jetzt war so ein Moment. Es war eine Sitzung mit vielen Emotionen. Und ich merkte, dass keiner etwas sagen wird, also nehme ich allen Mut zusammen, die Stimme bricht kurz weg, dann hau ich es raus: „Was hier passiert, ist Bullshit. Das hilft niemanden, es schadet vielen.“

Wie in Zeitlupe sehe ich, wie mich die Blicke der Chefetage durchbohren. Mir wird heiß. Und ich denke noch: Wenn man den richtigen Augenblick verpasst, ist es zu spät. Dann kann man nichts mehr stoppen. Man muss den Moment abpassen, sich dem Rad in die Speichen zu werfen. Also raus damit.

Kann sein, so ein Moment kommt öfter im Leben. Wo niemand was sagt, wo aber viele leiden werden, wenn es still bleibt.

Kann sein, niemand steht hinter dir. Vielleicht wirst Du später dafür bitter zahlen. Aber manchmal kommt es halt auf dich an. Auf dein Nein. Auf dein „So geht das nicht“.

Manchmal braucht es dich und dein Gewissen.

Manchmal ist es Gott, der ganz leise in dir spricht: Tu deinen Mund auf für die Schwachen.

Ich habe meinen Moment gut überlebt. Er hat mich stärker gemacht.

Und ich feiere heute alle, die ihrem Gewissen etwas zutrauen.

Und auch mal ein Ja verweigern. Wie jüngst im Bundestag.

Und die darauf setzen, dass wir das besser können. Gemeinsam.

Ulrike Greim, Erfurt, Evangelische Kirche


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